Heißeste Städte Österreichs 2026: Ranking nach realen Wetterdaten
Wie wir das Ranking erstellt haben
Wir stützen uns auf Daten professioneller Wetterstationen von GeoSphere Austria (ehemals ZAMG) mit historischen Aufzeichnungen seit 1961. Für das Ranking verwenden wir Durchschnitte für den Zeitraum 2013–2024 (die letzten 11 vollständigen Saisons), die das aktuelle Klima am besten widerspiegeln.
Tropischer Tag = Höchsttemperatur erreicht mindestens 30 °C. Tropische Nacht = die nächtliche Tiefsttemperatur sinkt nicht unter 20 °C. Beide Metriken sind entscheidend — tropische Tage zeigen die Tageshitze, tropische Nächte sagen aus, ob man nachts schlafen kann.
Das Ranking sortiert primär nach der Anzahl tropischer Tage pro Jahr, da dies der zuverlässigste Indikator für die Gesamtwärmebelastung ist. Tropische Nächte und Trends werden als ergänzende Information angegeben.
Top 10 der heißesten Städte Österreichs
1. Neusiedl am See (Burgenland, 131 m ü. A.) — durchschnittlich 21,1 tropische Tage und 17,9 tropische Nächte pro Jahr. Der absolute Spitzenreiter Österreichs — und ein Sonderfall. Der Neusiedler See wirkt als gigantischer Wärmespeicher: Das flache Wasser erwärmt sich im Sommer stark und gibt die Wärme nachts an die Umgebung ab. Das Ergebnis: fast 18 tropische Nächte — mit Abstand der höchste Wert in ganz Österreich.
2. Eisenstadt (Burgenland, 184 m ü. A.) — 20,8 tropische Tage, 11,0 tropische Nächte. Die Landeshauptstadt des Burgenlandes liegt am Westrand der Pannonischen Tiefebene. Die geschützte Lage am Leithagebirge und die Nähe zum Neusiedler See schaffen ein Klima, das für österreichische Verhältnisse ungewöhnlich heiß ist.
3. Wien (Wien, 198 m ü. A.) — 20,5 tropische Tage, 10,6 tropische Nächte. Die Bundeshauptstadt kombiniert ihre Lage am Ostrand der Alpen mit einem massiven städtischen Wärmeinseleffekt. Fast 2 Millionen Einwohner, dichte Bebauung und Versiegelung machen Wien zur wärmsten Großstadt Österreichs.
4. Krems an der Donau (Niederösterreich, 221 m ü. A.) — 20,1 tropische Tage, 7,3 tropische Nächte. Die Wachau-Stadt liegt in einem geschützten Donauabschnitt, wo sich Wärme im Tal staut. Weinbauklima bedeutet auch Hitzeklima — die südexponierten Hänge verstärken die Aufheizung.
5. Linz (Oberösterreich, 298 m ü. A.) — 17,4 tropische Tage, 5,0 tropische Nächte. Trotz höherer Lage schafft es die Landeshauptstadt in die Top 5. Das Linzer Becken fungiert als Wärmefalle, und die städtische Bebauung verstärkt den Effekt.
6. Hollabrunn (Niederösterreich, 240 m ü. A.) — 17,4 tropische Tage, 7,5 tropische Nächte. Das Weinviertel nördlich von Wien ist eine der trockensten und wärmsten Regionen Österreichs. Die offene Agrarlandschaft ohne schützende Wälder erhitzt sich im Sommer stark.
7. Güssing (Burgenland, 228 m ü. A.) — 17,3 tropische Tage, 6,6 tropische Nächte. Der dritte Burgenländer in den Top 10. Güssing liegt im südlichen Burgenland, nahe der ungarischen Grenze, und profitiert vom pannonischen Klimaeinfluss — heiße, trockene Sommer mit wenig Niederschlag.
8. Wiener Neustadt (Niederösterreich, 270 m ü. A.) — 16,8 tropische Tage, 4,9 tropische Nächte. Die zweitgrößte Stadt Niederösterreichs liegt am südlichen Wiener Becken. Föhnartige Winde vom Semmering können die Temperaturen zusätzlich in die Höhe treiben.
9. Mistelbach (Niederösterreich, 195 m ü. A.) — 16,6 tropische Tage, 8,4 tropische Nächte. Bemerkenswert: Mistelbach hat den dritthöchsten Wert bei tropischen Nächten im Ranking. Die Lage im Weinviertel, kombiniert mit einer geschützten Muldenposition, verhindert nächtliches Auskühlen.
10. Steyr (Oberösterreich, 310 m ü. A.) — 14,3 tropische Tage, 3,4 tropische Nächte. Die höchstgelegene Stadt im Ranking. Die Kessellage am Zusammenfluss von Enns und Steyr sorgt dafür, dass sich Wärme im Tal staut. Trotz der Höhe ist Steyr überraschend heiß.
In den Top 10: 3× Burgenland, 4× Niederösterreich, 1× Wien, 2× Oberösterreich. Westliche und alpine Städte (Salzburg, Innsbruck, Graz) fehlen.
Warum der Osten dominiert: Pannonisches Klima
Sieben der zehn heißesten Stationen liegen im Osten Österreichs — Burgenland, Niederösterreich und Wien. Das ist kein Zufall, sondern die Wirkung des pannonischen Klimas.
Pannonischer Einfluss: Österreichs Osten ist eine Übergangszone zwischen dem mitteleuropäischen und dem pannonischen Klima. Heiße Luftmassen aus der Ungarischen Tiefebene strömen ungehindert über die flache Grenzregion. Im Sommer bedeutet das längere und intensivere Hitzewellen als im alpinen Westen.
Niedrige Lage: Das Wiener Becken und das Burgenland liegen bei 130–250 m ü. A. — deutlich niedriger als Salzburg (424 m), Innsbruck (574 m) oder Graz (353 m). Mit jedem 100-Meter-Höhenzuwachs sinkt die Temperatur um etwa 0,6 °C.
Der Neusiedler See als Wärmespeicher: Der Neusiedler See ist mit nur 1–2 m Tiefe Europas flachster Steppensee. Er erwärmt sich im Sommer auf 25–28 °C und gibt die Wärme nachts an die Umgebung ab. Das erklärt die 17,9 tropischen Nächte in Neusiedl — fast doppelt so viele wie in Eisenstadt, nur 50 km entfernt.
Trockenheit: Der Osten Österreichs ist auch die trockenste Region des Landes. Weniger Niederschlag bedeutet weniger Verdunstungskühlung. Die offene Agrarlandschaft des Weinviertels und Burgenlandes heizt sich stärker auf als bewaldete Gebiete.
Wien: Großstadthitze in den Alpen
Wien ist die einzige Millionenstadt Österreichs und das zeigt sich im Ranking. Mit 20,5 tropischen Tagen und 10,6 tropischen Nächten liegt Wien auf Platz 3 — knapp hinter den burgenländischen Kleinstädten.
Der städtische Wärmeinseleffekt (Urban Heat Island, UHI) ist in Wien besonders stark. Dichte Gründerzeitviertel, wenig innerstädtisches Grün und eine massive Versiegelung sorgen dafür, dass Wiens Innenstadt nachts um 4–7 °C wärmer ist als das Umland im Marchfeld oder Wienerwald.
Besonders betroffen sind die inneren Bezirke (1.–9. Bezirk) und verdichtete Wohngebiete wie Favoriten oder Simmering. Dort ist der Unterschied zwischen Tag und Nacht gering — der Beton gibt die gespeicherte Wärme zurück, bevor er abkühlen kann.
Wien hat zudem einen besonderen geografischen Nachteil: Der Wienerwald im Westen blockiert die vorherrschenden Westwinde, während die offene Ebene im Osten heiße pannonische Luft ungehindert in die Stadt strömen lässt.
Trends und Ausblick
Die Daten zeigen einen klaren Trend: Der Osten Österreichs wird schneller heißer als der Westen. Die pannonische Klimazone dehnt sich aus und verschiebt die Grenzen des Weinbauklimas immer weiter nach Norden und Westen.
Neusiedl am See mit seinen fast 18 tropischen Nächten zeigt, was in Zukunft auch für andere österreichische Städte Realität werden könnte. Wien und Eisenstadt mit jeweils über 10 tropischen Nächten sind bereits heute an einem Punkt, wo sommerlicher Schlaf ohne Kühlung zum Problem wird.
Die GeoSphere-Projektionen bis 2050 zeigen: Bei einem moderaten Emissionsszenario (RCP 4.5) wird Wien bis 2040 durchschnittlich 25–30 tropische Tage pro Jahr haben — mehr als heute Neusiedl am See. Städte wie Linz und Krems werden die heutigen Werte von Wien erreichen.
Für Immobilienkaufende und Bauherren im Osten Österreichs wird die sommerliche Überhitzung zunehmend zum Pflichtthema bei der Planung.
Was das für Bewohner bedeutet
Das Ranking ist nicht nur eine akademische Übung. Es hat direkte Konsequenzen für Lebensqualität, Gesundheit und Wohnentscheidungen in Österreich.
Gesundheitsrisiken: In Städten mit 10+ tropischen Nächten (Neusiedl, Eisenstadt, Wien) ist chronischer Schlafmangel im Sommer ein reales Problem. Die Hitzemortalität in Österreich liegt bei geschätzten 400–800 zusätzlichen Todesfällen pro Jahr — ein Großteil davon im Osten.
Energiekosten: In den heißesten Städten läuft eine Klimaanlage deutlich länger. Ein Haushalt in Neusiedl am See verbraucht für Kühlung jährlich etwa 40–60 % mehr Strom als ein vergleichbarer Haushalt in Salzburg oder Innsbruck.
Immobilien: Wer eine Wohnung in Wien, Eisenstadt oder dem Weinviertel kauft, sollte Beschattung, Dachgeschoss-Exposition und Klimaanlage-Vorinstallation als feste Planungsfaktoren betrachten. Eine Dachgeschosswohnung in Neusiedl hat im Sommer fundamental andere Bedingungen als eine vergleichbare Wohnung in Bregenz.
Der Trend verschärft sich: Der pannonische Klimaeinfluss wird stärker, und Wiens Wärmeinseleffekt wechst mit der Bevölkerung. Investitionen in Beschattung und Kühlung werden sich in Österreichs Osten immer schneller amortisieren.
Häufig gestellte Fragen
Welche Stadt ist in Österreich am heißesten?
Nach GeoSphere-Daten für den Zeitraum 2013–2024 ist Neusiedl am See mit 21,1 tropischen Tagen und 17,9 tropischen Nächten die heißeste Stadt Österreichs. Die extremen Nachtwerte erklären sich durch den Neusiedler See als Wärmespeicher. Es folgen Eisenstadt (20,8) und Wien (20,5).
Warum hat Neusiedl am See so viele tropische Nächte?
Der Neusiedler See ist Europas flachster Steppensee (1–2 m tief). Er erwärmt sich im Sommer auf 25–28 °C und gibt die Wärme nachts an die Umgebung ab. Das verhindert das nächtliche Abkühlen und führt zu fast 18 tropischen Nächten pro Jahr.
Warum fehlen Salzburg und Innsbruck im Ranking?
Salzburg (424 m) und Innsbruck (574 m) liegen deutlich höher und sind vom atlantischen bzw. alpinen Klima beeinflusst. Die Höhenlagen und die Nähe zu den Alpen sorgen für kühlere Sommer und deutlich weniger tropische Tage als im pannonisch geprägten Osten.
Wird Wien in Zukunft noch heißer?
Ja. GeoSphere-Projektionen zeigen, dass Wien bis 2040 bei moderatem Emissionsszenario 25–30 tropische Tage pro Jahr haben wird. Der städtische Wärmeinseleffekt verstärkt den Klimawandel zusätzlich. Beschattung und Kühlung werden für Wiener Wohnungen zunehmend unverzichtbar.
Was du als Nächstes lesen kannst
Verwandte Städte
Stadtseiten mit Daten zu Temperaturen und Hitzebelastung.
Quellen und Literaturstütze
- GeoSphere Austria (ehemals ZAMG): öffentlich zugängliche Daten professioneller Wetterstationen (Zeitraum 1961–2024).
- Open-Meteo: historische Wetterdaten — Temperaturen, tropische Tage und Nächte.
- WMO (World Meteorological Organization): Definition tropischer Tage (Tmax ≥ 30 °C) und tropischer Nächte (Tmin ≥ 20 °C).
- EURO-CORDEX: regionale Klimamodelle für Mitteleuropa — Projektionen bis 2050.
- Umweltbundesamt Österreich: Klimawandel-Anpassungsstrategie.