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📅2026-05-01
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Hitze in Wiener Bezirken: Welche Viertel am stärksten betroffen sind

Wien hatte 2024 insgesamt 45 Hitzetage an der Station Hohe Warte — ein neuer Rekord. Doch diese Zahl verschleiert die Realität: In der Inneren Stadt wurden 52 Tage über 30 °C gemessen. Die Hitzebelastung in Wien ist extrem ungleich verteilt — abhängig von Versiegelung, Grünflächen, Bebauungsdichte und Wasserversorgung. Wer im 5. oder 15. Bezirk wohnt, erlebt einen anderen Sommer als jemand im 19. Bezirk am Wienerwald.

Die heißesten Bezirke: AK-Hitze-Karte 2022

Die Arbeiterkammer Wien hat 2022 eine detaillierte Hitze-Karte veröffentlicht, die Oberflächentemperaturen, Versiegelungsgrad und Grünraumanteil pro Bezirk analysiert. Die Ergebnisse sind eindeutig: Der 2., 5., 12., 15. und 20. Bezirk sind am stärksten von Hitze betroffen.

Der 15. Bezirk (Rudolfsheim-Fünfhaus) hat einen der höchsten Versiegelungsgrade Wiens — über 75 % der Fläche sind Asphalt, Beton oder Gebäude. Gleichzeitig liegt der Grünraumanteil unter 10 %. Das Ergebnis: Oberflächentemperaturen von über 50 °C auf Gehsteigen an Hitzetagen.

Der 5. Bezirk (Margareten) ist ähnlich dicht bebaut und hat kaum Parks. Der Bacherpark und der Margaretengürtel bieten minimale Entlastung. In den engen Gassen zwischen den Gründerzeithäusern staut sich die Hitze — nachts kühlt es kaum unter 23 °C ab.

Im Kontrast dazu: Der 19. Bezirk (Döbling) mit Wienerwald-Anteil, der 13. Bezirk (Hietzing) mit Schönbrunn-Park und der 23. Bezirk (Liesing) am Stadtrand haben deutlich niedrigere Hitzebelastung. AK-Präsidentin Renate Anderl betont: Hitze ist in Wien auch eine soziale Frage — wer weniger verdient, wohnt häufiger in den heißesten Vierteln.

Rekorde 2024: Wien wird immer heißer

Die Jahresdurchschnittstemperatur in Wien ist seit den 1970er-Jahren um rund 2 °C gestiegen. Das klingt wenig, hat aber dramatische Auswirkungen: Die Zahl der Hitzetage (über 30 °C) hat sich verdreifacht, Tropennächte (über 20 °C) sind von der Ausnahme zur Sommernorm geworden.

2024 war das heißeste Jahr in der Messgeschichte Österreichs. Wien verzeichnete 45 Hitzetage an der Hohe Warte — die offizielle Messstation am Stadtrand. In der dicht bebauten Inneren Stadt waren es 52 Tage. Die längste zusammenhängende Hitzeperiode dauerte 18 Tage.

Klimamodelle zeigen: Die Hitzeperioden verlängern sich rapide. Von durchschnittlich 5 Tagen am Stück (1971–2000) auf 15 bis 28 Tage in den kommenden Jahrzehnten. Bis 2080 wird Wiens Klima dem heutigen Marseille oder Dakar ähneln — eine Stadt, die für kalte Winter gebaut wurde, wird zur mediterranen Hitzezone.

Die Stadt Wien stellt eine interaktive Hitzekarte mit dem Hitze-Belastungsindex pro Bezirk bereit (im Auftrag der Stadt erstellt). Sie zeigt, welche Stadtteile die höchste thermische Belastung aufweisen — ein wichtiges Planungsinstrument für vulnerable Gruppen.

UHI-STRAT Wien: Die Strategie gegen den Wärmeinsel-Effekt

Wien hat mit UHI-STRAT einen umfassenden Strategieplan gegen den urbanen Wärmeinsel-Effekt (UHI) entwickelt. Federführend ist die MA 22 (Umweltschutz), wissenschaftlich begleitet von BOKU Wien und TU Wien.

Die Strategie umfasst drei Ebenen: Erstens, Entsiegelung und Begrünung bestehender Flächen (Grätzloasen, Baumoffensive, Fassadenbegrünung). Zweitens, klimasensible Stadtplanung bei Neubauten (Durchlüftungsschneisen, maximale Gebäudehöhen, verpflichtende Grünflächen). Drittens, akute Maßnahmen bei Hitzewellen (Sprühnebel, Trinkbrunnen, Cooling Places).

Konkret: Wien hat seit 2020 über 10.000 Bäume gepflanzt, 100+ Trinkbrunnen installiert und das Programm 'Coole Straßen' eingeführt — temporäre Begegnungszonen mit Wasserspielen und Beschattung während Hitzewellen. Für Bewohner der heißesten Bezirke ist das ein Tropfen auf den heißen Stein.

Mehr zur Wärmeinsel Wien und konkreten Abkühlungsorten: Wärmeinsel Wien: Warum die Stadt nachts nicht abkühlt.

Was Bewohner heißer Bezirke tun können

Kurzfristig: Außenliegende Beschattung ist die effektivste Einzelmaßnahme. Rollläden, Raffstores oder Markisen können die Raumtemperatur um 5–8 °C senken. In Altbauten ohne Außenbeschattung sind innenliegende Reflektionsfolien eine Alternative (Reduktion um 2–3 °C).

Mittelfristig: Wer in einem der heißesten Bezirke wohnt und die Möglichkeit hat, sollte eine Klimaanlage im Altbau in Betracht ziehen. Die Investition von € 2.500–4.000 rechnet sich bei zunehmenden Hitzetagen über die Lebensdauer von 15 Jahren.

Für alle ohne Klimaanlage: 15 Tipps zum Wohnung kühlen ohne Klimaanlage — von Ventilator-Tricks über Nachtlüftung bis zu Pflanzen als natürliche Kühlung.

Cooling Places in Wien: Öffentliche Bibliotheken, Museen, Einkaufszentren und die MA 48-Sprühnebelanlagen bieten kostenlose Abkühlung. Die Stadt Wien veröffentlicht bei Hitzewellen eine interaktive Karte mit allen kühlen Orten.

Bezirk für Bezirk: Die wichtigsten Hitzedaten

2. Bezirk (Leopoldstadt): Hohe Versiegelung, wenig Grün abseits des Praters. Der Praterstern und die Taborstraße sind Hitze-Hotspots. Prater-Hauptallee bietet Entlastung, ist aber nicht für alle fußläufig erreichbar.

5. Bezirk (Margareten): Dichteste Bebauung, geringstes Grün. Bacherpark und Margaretenplatz als einzige nennenswerte Freiflächen. Nachts kühlt es in den Blockinnenhöfen kaum ab — klassischer Wärmeinsel-Effekt.

12. Bezirk (Meidling): Meidlinger Hauptstraße und der Bereich um den Bahnhof sind stark versiegelt. Der Schlosspark Hetzendorf und der Wienerberg bieten Entlastung im Süden, der Norden des Bezirks ist stark belastet.

15. Bezirk (Rudolfsheim-Fünfhaus): Höchster Versiegelungsgrad, Gürtel-nahe Lage mit Abgaswärme. Auer-Welsbach-Park ist der einzige größere Grünraum. Die Schmelz im Nordwesten bietet punktuelle Entlastung.

20. Bezirk (Brigittenau): Dichte Blockrandbebauung, wenig durchlüftet. Der Donaukanal und die Donauinsel bieten zwar Wasser-Kühlung, aber der Weg dorthin führt durch aufgeheizte Straßen. Allerheiligenpark und Mortarapark sind kleine Oasen.

Häufig gestellte Fragen

Welcher Wiener Bezirk ist am heißesten?

Laut AK-Hitze-Karte sind der 2., 5., 12., 15. und 20. Bezirk am stärksten betroffen. Die Innere Stadt hatte 2024 sogar 52 Hitzetage über 30 °C — mehr als die offizielle Messstation Hohe Warte mit 45 Tagen.

Wie viele Hitzetage hatte Wien 2024?

Wien verzeichnete 2024 insgesamt 45 Hitzetage (über 30 °C) an der Station Hohe Warte. In der Inneren Stadt waren es 52. Die längste zusammenhängende Hitzeperiode dauerte 18 Tage.

Warum ist der 15. Bezirk so heiß?

Rudolfsheim-Fünfhaus hat einen der höchsten Versiegelungsgrade Wiens (über 75 %) bei einem Grünraumanteil unter 10 %. Die Gürtel-nahe Lage und dichte Blockrandbebauung verhindern die Durchlüftung.

Was ist UHI-STRAT Wien?

UHI-STRAT ist Wiens Strategieplan gegen den urbanen Wärmeinsel-Effekt, geleitet von der MA 22 mit wissenschaftlicher Begleitung durch BOKU und TU Wien. Er umfasst Entsiegelung, klimasensible Planung und akute Maßnahmen bei Hitzewellen.

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Verwandte Städte

Stadtseiten mit Daten zu Temperaturen und Hitzebelastung.

Quellen und Literaturstütze

  • AK Wien — Hitze-Karte 2022: Oberflächentemperaturen und Versiegelung pro Bezirk.
  • GeoSphere Austria — Hitzetage und Tropennächte Wien 2024.
  • UHI-STRAT Wien — Strategieplan gegen den urbanen Wärmeinsel-Effekt (MA 22, BOKU, TU Wien).
  • Stadt Wien — Interaktive Hitzekarte (Hitze-Belastungsindex pro Bezirk).
  • Stadt Wien MA 22 — Wiener Hitzeaktionsplan und Cooling Places.